Wenn die umtriebigen Gnome von EcoGnomix aus ihrer beschaulichen Waldsiedlung unter die Erde aufbrechen, dann arbeiten sie nur auf ein Ziel hin: So viele Ressourcen wie möglich zu erschließen, um die Wirtschaft an der Oberfläche am Laufen zu halten und gleichzeitig den Minentrip möglichst bis ganz unten durchzuhalten. Das rundenbasierte EcoGnomix läuft dabei in einander abwechselnden Plan- und Ausführphasen ab: Jede Runde platziert man seine Gnom-Arbeiter möglichst effektiv, Holzfäller nahe Büschen, Jägerinnen zwischen Hühnerherden. Jeder Gnom führt danach genau sieben Arbeitsschritte durch und produziert Nahrung, Holz oder wehrt Feinde ab. Hat er zu wenig Ziele in Reichweite, verschwendet er Aktionen, es gilt also, möglichst effizient zu arbeiten. Am Ende jeder Runde stürzt sich eine Fledermaushorde auf den Nahrungsvorrat; leert er sich zu früh, scheitert die Runde. Planung und die richtige Balance an Arbeitskräften sind der Schlüssel. Zurück an der Oberfläche werden gerettete Rohstoffe in neue Gebäude und Wege investiert, die bessere Baustoffe produzieren oder den Gnomen ein Dach über dem Kopf bescheren. Anno und Die Siedler, ein Hauch von XCOM und Dwarf Fortress unter der Oberfläche – und das alles im charmanten Stil von Catan oder Sid Meier’s Civilization.

Abbauen,
Aufbauen,
Draufhauen

Dabei ging es bei dem Spiel mit dem sprechenden Titel zuerst noch gar nicht um Gnome. Es entstand stattdessen aus der Liebe der beiden Gründer Lars Hinnerk Grevsmühl und Marcel Zurawka zum Strategie-Platzhirschen Civilization, dessen siebter Teil zufällig nur wenige Monate nach EcoGnomix erschien. “Die Idee wuchs daraus, ein Spiel mit Hexagonen und Nachbarschafts-Boni wie in Civilization zu bauen, das sich aber um den Abbau von Ressourcen auf kleinen Karten dreht. Die Gnome und die Höhlen kamen später hinzu. Wir haben ein paar kleine niedliche Charaktere gesucht, die gierig ihre Umgebung plündern“, sagt Grevsmühl. Die einzigartige Thematik war ein Glücksgriff, gibt sie dem Spiel nun doch eine ganz besondere, persönliche Note. Die kommt auch bei Jurys gut an: EcoGnomix war bereits bei mehreren Festivals und Awardshows nominiert, die Krönung: eine dotierte Nominierung beim Deutschen Computerspielpreis 2024 als bester Prototyp in der Nachwuchskategorie.
Hinter EcoGnomix steht Irox Games, ein Sieben-Personen-Team aus Garching. Gestartet ist Irox 2020 als Studien-Ausgründung von Grevsmühl und Zurawka nach dem Studium an der Technischen Universität München. “Es ging los mit kleineren Auftragsarbeiten wie Minigames für Messen und Events für Firmen, die nicht direkt aus der Games-Branche kommen”, erklärt Mitgründer Grevsmühl die Unternehmensgeschichte. “Diese Aufträge machen wir neben unseren eigenen Spielen immer noch. Sie bieten uns eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit. Es war immer unser Ziel, die Firma nicht wackelig auf ein Projekt zu stützen, sondern uns und unseren Mitarbeitern eine stabile Lebensgrundlage zu schaffen.” Neben den mittlerweile fast 20 Auftragsarbeiten ist das nun vollends mit EcoGnomix, dem ersten vollen kommerziellen Release des Teams, geschehen. Dabei ist das Team stets dem Credo der sicheren Lebensgrundlage und Work-Life-Balance gefolgt. “Ich bin ungeheuerlich stolz darauf, dass wir so gut in der Zeit lagen und das ohne die in der Branche üblichen Überstunden. Das liegt an erster Stelle natürlich daran, dass jeder in unserem Team fantastische Arbeit geleistet hat”, sagt Grevsmühl, betont aber auch die besondere Art des iterativen Arbeitens. “Wir bauen unsere Spiele zwiebelartig auf, sodass immer ein Feature auf einmal hinzu kommt und es immer eine spielbare Version gibt. So kann jeder im Team jeden Tag das Spiel testen.”

Immer wieder testen, herausnehmen, was nicht funktioniert und einfügen, was noch fehlt – eine Arbeitsweise, die sich Irox Games auch als Veranstalter des Pizza Playtest zu Nutze gemacht haben. Dieses bayerische Developer-Format hilft mittlerweile Studios und Brancheneinsteiger*innen aus dem ganzen Freistaat, ihre Games zu zeigen, zu testen und zu verbessern. “Ich glaube fest daran, dass der Mythos des kreativen Genies falsch ist. Gute kreative Arbeit entspringt selten einzelnen Köpfen, sondern oft einer starken Gemeinschaft. Es gibt Dinge, die man einfach nicht intern testen kann. Wir denken uns ja alle Systeme aus und verstehen, was das Spiel von uns will. Wie die Steuerung funktioniert oder mit welcher Strategie man gewinnt. Das bricht aber zusammen, sobald man das Spiel einer neuen Person vorsetzt. Wir lassen so unsere Spiele immer wieder kaputtgehen, bis alles feingeschliffen ist“, erklärt Grevsmühl nicht nur das Testkonzept des Studios, sondern auch die Idee hinter dem Event. Entwickelt haben Irox den Pizza Playtest aus einem Accelerator des befreundeten Bayreuther Studios Emergo Entertainment, mittlerweile findet er regelmäßig statt, angehängt an diverse lokale Branchengatherings wie den Indie Outpost oder Expert Talks and Pretzels.
Auch den finanziellen Erfolg ihres Spiels haben Irox Games nicht dem Zufall überlassen. Eine Marktanalyse aus über 80.000 auf der Vertriebsplattform Steam verkauften Spielen lag der Ausrichtung des Titels zugrunde. Vorarbeit, die sich bei der Suche nach einem Publisher bezahlt und die Zusammenarbeit mit dem Warschauer Indie-Vertrieb Untold Tales möglich gemacht hat. Der hat nicht nur bei der schon wenige Wochen nach PC-Release veröffentlichten Version für Nintendo Switch unterstützt, sondern steht auch hinter der im Februar 2025 angekündigten Spielversion für PlayStation und Xbox, wahrlich keine Selbstverständlichkeit für Strategietitel.

Um jedoch überhaupt die Spielversion zu erschaffen, mit denen Irox Games einen Publisher überzeugt hat, konnte das Studio sich auf Förderung durch den FFF Bayern verlassen. 2023 bekamen Irox 100.000 Euro Prototypenförderung, 2024 weitere 113.000 Euro für die Produktion. “Ohne den FFF hätte es das Spiel vermutlich nie gegeben. Vom Prototypen bis zur Veröffentlichung wurden wir von der Förderung finanziell unterstützt. Das hat uns die Möglichkeit gegeben, das Projekt weit genug zu bringen, um einen Publisher zu finden. So konnten wir mit dem Geld vom FFF, dem Publisher und unserem eigenen Geld das Spiel fertigstellen”, spricht Grevsmühl über die Verzahnung der Finanzierungsarten. Auch beim nächsten Projekt konnte Irox bereits auf Förderung zurückgreifen: 88.350 Euro Prototypenförderung steuerte der FFF für OKU bei, die spirituelle Reise eines japanischen Mönchs. Weitere Konzepte testest Irox nebenher, darunter ein City Builder und ein Spiel über eine trommelnde Katze, teasert Grevsmühl. “Und natürlich die Konsolen-Edition von EcoGnomix. Uns wird sicherlich so bald nicht langweilig.”
Herausgeber: FilmFernsehFonds Bayern GmbH – Presse und Information
Text: Pascal Wagner
Fotos: Irox Games
Gestaltung: Schmid/Widmaier