Neuer
Glanz mit
altem
Charme

Das Regina-Kino in Regensburg ist eine Institution als Lichtspielhaus, ein Treffpunkt für Stammgäste, Cineast*innen und Filmliebhaber*innen ebenso wie ein Ort, an dem der Film gelebt und geliebt wird. Nach 38 Jahren haben sich die Pächter*innen Doris und Oliver Goldermann nun verabschiedet und das mehrfach prämierte Arthouse-Kino zum Anfang des Jahres an eine neue Leitung übergeben.
Text von Angela Sonntag
6 Minuten Lesezeit
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„Du …, eine Frage: Wie weit ist denn Neumarkt von Regensburg entfernt?!“ Diesen Satz wird Doris Lerchl-Goldermann nie vergessen. Als sie ihn damals hörte, zuckte sie zusammen und klammerte sich an den Telefonhörer – heute kann sie darüber lachen. Die Frage kam von Joseph Vilsmaier. Es war ein Freitagabend, 19:55 Uhr. Um 20 Uhr sollte das Filmgespräch mit dem Regisseur und seinem Team zum neuen Film Rama Dama beginnen. Der Kinosaal war bereits gefüllt, das Publikum wartete auf die eingeladenen Gäste, die Presse stand bereit. Dann also klingelte das Telefon an der Kasse am Tresen des Regina-Kinos mit Joseph Vilsmaier am anderen Ende der Leitung. Die junge Kinoleiterin war damals völlig hilflos und sah ihr erstes, großes geplantes Filmgespräch in einer Katastrophe enden. Und dennoch: Nachdem sie sich die Ehrengäste offensichtlich in der Oberpfalz nach Neumarkt verirrt hatten, kamen der Regisseur sowie Werner Stocker, Dana Vávrová und Ingrid Broszat von der Filmcrew doch noch in Regensburg an und das erste Filmgespräch von Doris Lerchl-Goldermann wurde zum vollen Erfolg. Viele weitere Filmgespräche mit prominenten Filmemacher*innen sollten folgen.

Das Regina Filmtheater ist nicht nur in Regensburg bei Kinofans beliebt, sondern weit über die Grenzen hinaus, sogar deutschlandweit bekannt. Anfang der 1940er errichtet, diente das Gebäude zuerst als Getreidespeicher. Nach einem Umbau 1948 öffnete am 18. Februar 1949 ein Kino im Regensburger Norden erstmals seine Tore, in schickem Theaterambiente mit Garderobe und einem einzelnen Saal mit 600 Plätzen. Der Kinobetrieb hielt allerdings nur wenige Jahre. Erst 1978 wurde das Lichtspielhaus neu umgebaut mit zwei Sälen eröffnet. Hier begann nun auch die erste Verbindung von Doris Lerchl-Goldermann zum Regina Kino. Sie arbeitete in den Ferien und an Wochenenden als Platzanweiserin dort. Studiert hatte sie BWL und auch bereits einen Job bei der Bank sicher. Dann machte der Eigentümer des damaligen Kinos 1986 Lerchl-Goldermann ein Angebot, als Pächterin einzusteigen. Sie sagte zu, mit 24 Jahren. Sechs Jahre später stieg ihr Mann, Oliver Goldermann, mit ein.

Das Regina Filmtheater in der Holzgartenstraße in Regensburg

In 38 Jahren hat das Ehepaar Goldermann als Theaterleiter viel erlebt. Im wahrsten Sinne des Wortes war es ein Full-Time-Job sieben Tage die Woche. Aber eben auch ein Beruf, den sie mit Hingabe, viel Freude und Leidenschaft gelebt und erlebt haben. An ihre erste Amtshandlung als Leiterin erinnert sich Lerchl-Goldermann noch ganz genau: „Wir haben das Rauchen im Kinosaal verboten“. Nicht nur, dass Lerchl-Goldermann das ständige Einsammeln der Zigarettenstummel im Kinosaal leid war. Sie hatte außerdem ein neues Kinderfilm-Programm eingeführt, was mit verrauchten Kinosälen so gar nicht zusammenpasste. „Man kann sich das heute kaum mehr vorstellen, aber wir mussten die Eltern bitten, im Kinosaal, in dem auch die Kinder waren, nicht zu rauchen.“ Mit dem Rauchverbot folgte eine Renovierung 1987, denn nicht nur das Mobiliar, auch die Leinwände waren völlig vergilbt.
Die ersten Filme, die im neuen Regina Kino liefen, waren Blues Brothers und Staatsanwälte küsst man nicht. Der zweite Saal war für das Kinderprogramm vorgesehen, hier stand Asterix und Obelix auf dem Programm. Die Laufzeiten waren damals noch weitaus länger. „Der Oscar-Gewinner Jenseits der Stille war 14 Monate in unserem Programm, und das mit nur einer Kopie“, erinnert sich Oliver Goldermann.

Der deutsche Film hatte schon immer einen besonderen Stellenwert im Regina Kino. Nicht zuletzt auch deswegen, weil sich die Goldermanns stets darum bemühten, Regisseur*innen und Schauspieler*innen zu Premieren und Gesprächen einzuladen. Kino war für die beiden damals schon mehr, als nur einen Film auf der Leinwand zeigen. Mit einem Schmunzeln blicken sie auf eine besondere Anekdote zurück: Der bewegte Mann von Sönke Wortmann lief damals ebenfalls 14 Monate. Zum Einjährigen veranstalteten die Kino-Pächter eine besondere Aktion und riefen die Kinobesucher*innen dazu auf, das Motiv des Kinoplakats zu imitieren und sich daneben fotografieren zu lassen. (Zur Erinnerung: Das Motiv war ein nackter Mann mit verschlungenen Beinen). Beide Goldermanns lachen: „Heute würde man dafür wahrscheinlich einen Shitstorm kassieren, aber damals kam das richtig gut an!“

Staatsminister Florian Herrmann, Doris Lerchl-Goldermann, Oliver Goldmann (Regina Filmtheater), Martin Hartung (FFF Bayern) bei der Verleihung der FFF Programmprämien im Dezember im Cinecitta’ Multiplexkino Nürnberg

Aber auch mit einigen Herausforderungen hatten die beiden zu kämpfen. Die Digitalisierung und natürlich Corona stellten die Goldermanns vor schwierige Entscheidungen. Nicht zuletzt waren sie in solchen Situation besonders dankbar um die Förderung in Bayern. „Die finanzielle Unterstützung des FFF Bayerns gab uns oft Sicherheit. Wir hätten beispielsweise nicht so schnell reagieren und innerhalb von einem Jahr zwei Kinosäle digitalisieren können“, so Lerchl-Goldermann. Um von großen Kinos und der Konkurrenz nicht abgehängt zu werden, ist das überlebenswichtig.

Für ihren Mut, ihre Entscheidungen, aber auch ihre kreative und visionäre Art, das Regina Kino zu führen und das Programm nach ihrer Art zu gestalten, sind die Goldermanns und ihr Kino bereits zweimal (1992 und 2024) mit dem Spitzenpreis der bayerischen Kinoprogrammpreises ausgezeichnet worden (20.000 Euro). Diese erst aktuelle Finanzspritze, die Ende vergangenen Jahres übergeben wurde, können die Goldermanns nun an ihre Nachfolger weitergeben. Zum 1. Januar 2025 haben sie sich zurückgezogen. Neue Eigentümer des Regina Kinos sind die Münchner Markus Eisele und Christian Pfeil. In der Kinolandschaft sind die beiden Oberbayern keine Unbekannten. Eisele und Pfeil besitzen Kinos in Gera, Fürstenfeldbruck, München und jetzt Regensburg. Ihr Ziel: kleine Arthouse-Kinos renovieren und erhalten – neue Technik, alter Charme.

Neue Doppelspitze: Yvonne Kühl, Bianca Kuhl

Das Regina Kino in Regensburg wird seit Anfang des Jahres unter einer Doppelspitze in der Geschäftsführung geleitet. Yvonne Kühl ist für das Programm, Marketing und die Buchhaltung zuständig. Als Filmproduzentin mit 20-jähriger Erfahrung bringt sie eine Menge Film-Know-How mit. Unterstützt wird sie von Bianca Kuhl, die den Event- und Veranstaltungsbereich übernehmen wird. Sie kommt aus dem Gastronomiebereich. Gemeinsam haben sie mit den Goldermanns in den vergangenen Monaten den Übergang vorbereitet. „Das Regina Kino ist für viele Regensburger*innen ein beliebter und bekannter Treffpunkt, wie eine Heimat. Das wollen wir unbedingt so weiterführen“, so Kühl. „Ebenso wollen wir natürlich auch neue Ideen einbringen, neue Veranstaltungen einführen, bekannte Reihen ausbauen und nicht zuletzt auch das Haus an sich durch Renovierungen und Umbauten attraktiver machen.“ Und dennoch steht für die neue Theaterleitung ganz klar fest: Der Charme des Regina wird sicher bleiben!

Herausgeber: FilmFernsehFonds Bayern GmbH – Presse und Information
Text: Angela Sonntag
Fotos: Regina Filmtheater, FFF Bayern/Uwe Niklas
Digitales Storytelling und Gestaltung: Schmid/Widmaier

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