Wie geht „Future Readi­ness“?

Mit einer Veranstaltung ermutigt Start Into Media die Bewegtbildbranche für die Zukunft. Expert*innen diskutierten über Skills, Strukturen und die menschliche Komponente im digitalen Wandel.
Text von Insa Wiese
4 Minuten Lesezeit
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Die Bewegtbildbranche erlebt turbulente Zeiten: Jobs stehen auf dem Prüfstand, Produktionen werden gekürzt, und nicht wenige Kreative warten in diesem Jahr noch auf die nächste Tätigkeit am Set. Angesichts dieser Zukunftsängste ist der Bedarf an Orientierung und Ermutigung immens. Genau hier setzte Start Into Media, eine Initiative der Medien.Bayern GmbH, Ende November mit dem Auftakt ihrer neuen Veranstaltungsreihe an: „Future Readiness Bewegtbild“ an. Das Ziel des virtuellen Get-togethers: Mut machen und aufzeigen, welche Skills die Branche jetzt braucht, um den Wandel zu tragen.

Die Kernaussage des Vormittags: Future Readiness, also die Zukunftsfähigkeit der Branche, ist eine Führungsaufgabe. Die Expert*innen waren sich einig: Neugier, Offenheit, Aneignungskompetenz, Problemlösekompetenz und vor allem keine Scheu vor KI-Skills und neuer Technologie sind Pflichtprogramm für Medienschaffende. Dennoch bleibt natürlich solide Handwerkskunst gefragt. KI und andere Technologien sind lediglich Tools. Wer sie erfolgreich verwenden will, muss man das klassische Handwerk beherrschen.

Weiterbildung ist ein zentraler Punkt für die Zukunftsfähigkeit der Bewegbildbranche. Das zentrale Problem, das Dr. Denise Grduszak vom Erich Pommer Institut (EPI) beleuchtete, ist die fehlende Struktur: 71 % der Beschäftigten in der Branche nahmen in den letzten 12 Monaten keine Weiterbildung wahr. Es mangelt nicht nur an passenden Angeboten, sondern auch an Klarheit über notwendige Entwicklungsziele. Das EPI arbeitet u. a. mit Initiativen wie „WIBewegt“ daran, nachhaltige Qualifizierungsmöglichkeiten zu etablieren.

Die Transformation durch Technologien wie Virtual Production stellt gewohnte Arbeitsweisen grundlegend infrage. Elfi Kerscher von der Virtual-Production-Company Hyperbowl beschrieb den Wandel plastisch: In der virtuellen Welt, befeuert durch Tools wie die Unreal Engine, verschwimmen die Grenzen zwischen Set Design, Kamera und Postproduktion.

Virtual Production erfordert ein tiefgreifendes interdisziplinäres Verständnis. Aufwendige Drehs in virtuellen Welten, die teilweise internationale Drehorte ersetzen, gelingen nur mit interdisziplinären Teams und einem technischen Grundverständnis auf allen Ebenen. Auch das Kostümbild ist von dieser Entwicklung betroffen. Stefanie Bieker vom Verband der Berufsgruppen Szenenbild und Kostümbild e.V. erklärte, dass Postproduktionsschritte zunehmend in die Preproduktion wandern. Kostümbildner*innen müssen ihre Kompetenzen um Skills in KI und Virtual Production erweitern. Genreübergreifendes Arbeiten wird zur Schlüsselkompetenz, während traditionelles Handwerk mit digitalen Tools kombiniert werden muss.

Ein zentrales Signal an Führungskräfte: Weiterbildung und Wissenstransfer müssen als Arbeitszeit anerkannt werden. Ein elementarer Punkt, gerade angesichts der zeitintensiven Filmjobs. Oliver Czeslik von mYndstorm productions betonte: Future Readiness ist kein „Nice-to-have“, sondern eine Führungsaufgabe, die in Budgets, Strukturen und Unternehmenskultur fest verankert werden muss.

Stefanie Bieker fasste die dringenden Bedürfnisse zusammen: Wissenstransfer sollte kostengünstig, effektiv und vernetzt organisiert werden. Dies beinhalte: Hochschulen adressieren auch Berufserfahrene, Weiterbildungen werden explizit für ältere Mitarbeitende geöffnet und Unternehmen ermöglichen Zeit und Raum für interdisziplinäres Denken.

Die Sorge vor dem Ersatz durch Künstliche Intelligenz (KI) konnte die Runde durch klare Perspektiven entkräften. Die Live-Umfrage unter den Teilnehmenden zeigte: Aneignungs- und KI-Kompetenz werden als zentrale Handlungsfelder gesehen. Die beobachtete Haltung aus dieser Veranstaltung bestätigt: KI braucht die Fachkompetenz, das Handwerk und das Know-how des Menschen. Richtig eingesetzt, dient KI als wertvoller Assistent, der Arbeitsabläufe vereinfacht und mehr Zeit für kreative Prozesse schafft. Hier ist die Verantwortung der Unternehmen gefragt. Nicht zuletzt durch den EU AI Act, der verlangt, dass Mitarbeitende, die mit KI arbeiten, ausreichend qualifiziert sind. Ein wichtiges Plädoyer war die Forderung, branchenspezifische KI-Skills, die ohnehin entwickelt werden, auch für Selbstständige zu öffnen, die bisher oft alleingelassen werden.

Bei allem technologischen Wandel darf die menschliche Komponente nicht vergessen werden. Spontan zugeschaltet war Heike Dzaack-Crostewitz von DramaCare, die eine Beratungsstelle für Medienschaffende aufgebaut hat. Ihr Fazit: Neben Technologie braucht es Resilienz, Nervenstärke und Gemeinschaft. Sie riet den Teilnehmenden, Ängste durch einen Realitätscheck zu hinterfragen, die Verbindung zu Menschen zu suchen, die neue Tools bereits erfolgreich nutzen, und sich spielerisch sowie mit Neugier auf neue Entwicklungen einzulassen.

Annabell Simon von Crew United zog folgendes Fazit: Technologie braucht stabile Teams, Nachwuchs braucht Einstiegspunkte, Erfahrene brauchen Planbarkeit und Strukturen müssen Menschen halten.

Future Readiness in der Bewegtbildbranche bedeutet demnach nicht neue Technologien zu erwerben, sondern vor allem: Menschen führen, Strukturen schaffen und Lernräume so zu gestalten, dass sie den Wandel tragen können.

Herausgeber: FilmFernsehFonds Bayern GmbH – Presse und Information
Text: Insa Wiese
Redaktion: Olga Havenetidis

Gestaltung und digitales Storytelling: Schmid/Widmaier

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