Eine Bühne für mutige Filmideen und neue Talente

Der Camgaroo Award feiert 2026 sein 25. Jubiläum. Ein Gespräch mit der Gründerin und Leiterin Gabriele Lechner
Interview von Dominik Petzold
5 Minuten Lesezeit

Frau Lechner, was war die Idee hinter der Gründung des Camgaroo Awards?

Gabriele Lechner: Vor 25 Jahren wollte ich Filmemacherinnen und Filmemachern – insbesondere Nachwuchstalenten und der Independent-Szene – eine Bühne und Sichtbarkeit geben. Plattformen wie YouTube oder Vimeo gab es noch nicht. Es fehlte ein Ort, an dem kreative Experimente, mutige Ideen und individuelle Handschriften wahrgenommen werden konnten. Menschen sollten angeregt werden, selbst zu gestalten, statt Medien nur zu konsumieren.

 

Heute gilt der Camgaroo Award als etabliertes Sprungbrett ins Filmbusiness. Welche Entwicklungen haben ihn besonders geprägt?

Die Professionalisierung der Szene ist enorm. Technische Entwicklungen und die Digitalisierung haben in der Kamera- und Postproduktion vieles verändert. Kameras von BMD, Canon, Panasonic oder Sony sowie Softwarelösungen von Adobe, Grass Valley oder Atomos ermöglichen heute professionelle Ergebnisse mit vergleichsweise kleinen Budgets. Parallel dazu hat sich der Camgaroo Award selbst kontinuierlich weiterentwickelt – inhaltlich, stilistisch und strukturell. Besonders prägend war die Einführung des Camgaroo Film Summit, der Wettbewerb, Weiterbildung und Networking miteinander verbindet. Auch thematisch bleiben wir innovativ, etwa mit dem Sonderpreis für Filmprojekte unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

 

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Welche Meilensteine sind für Sie persönlich besonders bedeutend?

Natürlich der erste Camgaroo Award, weil er gezeigt hat, dass die Idee trägt. Sehr berührend sind die Momente, in denen ehemalige Preisträger*innen heute erfolgreich im Filmgeschäft arbeiten und uns zurückmelden, wie wichtig Camgaroo für ihren Weg war. Bedeutend waren auch Kooperationen, etwa die Anerkennung durch den FFF Bayern oder die Unterstützung durch Team Kreativ München. Heute ist der Camgaroo Award eine feste Institution – getragen von einer engagierten Community, einer starken Jury und langjährigen Partnern. Die Atmosphäre der Camgaroo Award Night ist jedes Jahr unbeschreiblich und voller Gänsehautmomente.

 

Was dürfen Publikum und Teilnehmende beim Jubiläum 2026 erwarten?

Wir möchten den Geist der letzten 25 Jahre sichtbar machen und gleichzeitig ein zeitgemäßes, zukunftsorientiertes Event gestalten. Es wird besondere Programm-Highlights, neue Impulse auf dem Camgaroo Film Summit und einige Überraschungen geben. Erstmals planen wir auch einen Publikumspreis. Das Jubiläum soll ein Fest für alle werden, die den Camgaroo Award begleitet und unterstützt haben.

Wie gelingt es, jedes Jahr eine hochkarätige Jury zu gewinnen?

Ich spreche die Menschen direkt an – die meisten sagen gerne zu, wenn sie nicht gerade viel um die Ohren haben. Unser rund 20-köpfiges Team investiert seine Freizeit, um jede Einreichung professionell zu bewerten. Viele begleiten den Camgaroo Award seit Jahren, darunter Harold Faltermeyer, Anja Kruse, Friederich Oetker, Angela Reedwisch und Max Wiedemann, um nur einige zu nennen. Das Engagement und die Expertise der gesamten Jury professionalisieren den Award und machen ihn zu einer verlässlichen Plattform für junge Talente.

 

Was geben Sie Filmschaffenden mit auf den Weg, die über eine Teilnahme nachdenken?

Trauen Sie sich. Filmemachen ist immer ein Experiment – künstlerisch, technisch und persönlich. Der Camgaroo Award lebt von mutigen Ideen, unkonventionellen Ansätzen und authentischen Handschriften, unabhängig davon, ob jemand am Anfang steht oder bereits Erfahrung mitbringt.

Wie schafft es Camgaroo, dass die Filme auch gesehen werden?

Ein zentraler Baustein ist unsere Mediathek filmrebell.tv. Dort sind inzwischen über 1.200 Camgaroo-nominierte Filme abrufbar. Nach kostenloser Registrierung können alle Filme online angesehen werden. Unser Ziel ist nachhaltige Sichtbarkeit für junge Talente.

 

Welche Verantwortung sehen Sie bei den öffentlich-rechtlichen Sendern?

Independent-Filme werden oft nur minimal vergütet oder gar nicht ausgestrahlt. Dabei gehört die Förderung des Nachwuchses zum Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Independent-Filmen werden jedoch selten echte Chancen eingeräumt, auch wenn sie professionell produziert sind. Verbindliche Sendeplätze, klare Sichtbarkeit in den Mediatheken sowie ein eigenes Budget für diese risikobereiten Filmschaffenden könnten die Programmvielfalt und Diversität der deutschen Filmkultur deutlich erweitern und jungen Filmschaffenden echte Perspektiven eröffnen. Ich sehe auch die kommerziellen Streamingplattformen wie Netflix, Amazon und Co. in der Pflicht, aktiv zur Förderung unabhängiger Produktionen beizutragen.

Wie unterstützt Camgaroo konkret?

Mit der Camgaroo Productions GmbH haben wir ein praktisches Instrument geschaffen, um Filmprojekte aktiv zu begleiten, auch jenseits klassischer Förderstrukturen. Produktionen wie Hopfen, Malz und Blei (Mark Lohr), Bildungsgang (Simon Marian Hoffmann) oder aktuell Der Deserteur (Christoph Baumann) konnten mit unserer Unterstützung, trotz fehlender Förderung, erfolgreich im Kino, im Handel und auf Streamingplattformen platziert werden. Camgaroo Productions wird dabei zunehmend als verlässlicher Ansprechpartner wahrgenommen.

 

Gibt es Talente, die beim Camgaroo Award entdeckt wurden?

Ja, viele. Um nur einige zu nennen: Martina und Monika Plura waren bereits 2004 als Jugendliche dabei, gewannen in ihrer Kategorie und haben seitdem zahlreiche Fernseh- und Kinofilme gedreht. Heute arbeiten sie erfolgreich als Regisseurin und Kamerafrau, aktuell für die Netflix-Serie Achtsam Morden. Auch Andreas und Tanja Schmidbauer starteten bei Camgaroo ihre Karriere und realisieren inzwischen erfolgreich Filme wie Wer gräbt den Bestatter ein? oder aktuell Bubbles. International bekannt wurde der Action Designer und Stuntman Vi-Dan Tran, der unter anderem bei James Bond und Dune mitwirkte und heute für internationale Produktionen gebucht wird. Weitere Preisträger*innen haben ebenfalls erfolgreich im Filmgeschäft Fuß gefasst, zum Beispiel Daniel Alvarenga, Julian Bam (JubaFilms), Shawn Bu, Fabian Driehorst, Arne Hain, York Hovest, Joshua J. Krull, Daniel Littau, Tobias Lohf, Constantin Maier, Andreas Olenberg, Laura Antonia Roge, Marc Schiesser und Timo Sonnenschein. Viele kehren inzwischen als Jurymitglieder zurück und unterstützen damit direkt den Nachwuchs. So schließt sich der Kreis.

 

Und wie geht es weiter?

Der Camgaroo Award und der Camgaroo Film Summit werden auch weiterhin Indie-Filmschaffende im deutschsprachigen Raum fördern – eine junge, ideenreiche und technisch versierte Szene, die international durchaus mithalten kann. Deutschland braucht genau diese Talente, um auf globaler Bühne erfolgreich zu sein. Strategische Partnerschaften sind herzlich willkommen.

 

 

Camgaroo Award / Camgaroo Film Summit

Einreichungen unter
camgaroo.com / filmrebell.tv

Einreichungsende: 10. März 2026

Voraussichtlicher Veranstaltungstermin
29. April 2025 in München

camgaroo.com, facebook.de/CamgarooAward

Herausgeber: FilmFernsehFonds Bayern GmbH – Presse und Information
Text: Olga Havenetidis
Redaktion: Olga Havenetidis

Gestaltung und digitales Storytelling: Schmid/Widmaier

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