Daniela, Sie hatten mehrere Angebote für die filmische Adaption Ihres Romans. Wie haben Rosalie Thomass und Aron Lehmann Sie überzeugt?
Daniela Dröscher: Ganz klar durch ihre Persönlichkeiten und ihren Love Letter an mich. Und durch viele Parallelen: Wir teilen die Liebe zum Absurden, wir mögen große Gefühle, wir lieben gute Figuren und gute Geschichten. Dazu kam ihr tolles Konzept: Im Buch gibt es keine einzige Kilogrammangabe. Literatur kann uns dazu animieren, uns so etwas wie einen umfangreichen Körper vorstellen. Das kann der Film nicht. Rosalie und Aron haben beide genuin filmisch gedacht und eine supercoole Übersetzung dafür gefunden.
Rosalie Thomass: Interessant, das wusste ich so noch nicht!
Lügen über meine Mutter ist Ihre erste eigenständige Drehbucharbeit, Rosalie …
R.T.: Nicht ganz: Es ist die erste Drehbucharbeit, die komplett aus meiner Feder stammt und verfilmt wurde. Es gab davor schon ein noch unverfilmtes Drehbuch von mir, und ich habe gemeinsam mit Aron Lehmann Jagdsaison von Lea Schmidbauer überarbeitet. Dass ich bereits von vorne bis hinten ein komplettes Drehbuch geschrieben hatte, war wichtig. Sonst hätte ich mir nie angemaßt, einen Roman zu adaptieren. Zumal einen so komplexen. Es galt, der Vorlage treu zu bleiben, sich zugleich davon zu lösen und die Handlung zu verdichten: Im Roman erstreckt sie sich über vier Jahre – von 1983 bis 1986 –, im Film über lediglich eines.
R.T.: Ich glaube, dass viele meiner schauspielenden Kolleg*innen sehr gute Dramaturg*innen sind. Denn zu unseren Hauptvorbereitungsaufgaben gehört es, ein Drehbuch oder ein Theaterstück zu analysieren. An welchem Punkt in der Struktur befinde ich mich? Was sind die Wendepunkte? Welche Funktion trägt meine Figur? Ich durfte in meiner Karriere mit sehr vielen guten Texten arbeiten. Mein Eindruck war, dass dies genau die Kompetenz ist, die ich mir in den über 20 Jahren erschlossen habe, in denen ich jetzt schon als Schauspielerin arbeite: einen bestehenden Text aufmerksam zu lesen, ihn einzusaugen und intuitiv die Stellen herauszufiltern, die emotional und dramaturgisch am meisten Gewicht haben.