Das Thema von Erzähl mir dein Morgen zeichnet eine Frauenfreundschaft und stellt fundamentale Fragen: Welches Leben will ich? Wie sieht mein Leben aus in den Augen meiner Freundin? Ist es je zu spät, es noch so zu leben, wie ich es mal gewollt habe? Für das Werk gab es zweifach den Förderpreis Neues Deutsches Kino beim 43. Filmfest München 2026, für die Regie und für eine der beiden Hauptdarstellerinnen.
Ella Cieslinski und Nina Wesemann, Sie haben Ihren fiktionalen Debütfilm Erzähl mir dein Morgen ziemlich alleine gestemmt, darunter die Finanzierung. Wie haben Sie das geschafft?
Eine Arbeitsweise wie diese erfordert viel Ausdauer und ist ohne Unterstützung von außen kaum möglich. Dafür muss man andere zunächst von der eigenen Idee begeistern und überzeugen. Um die Dreharbeiten zu finanzieren, haben wir ein Crowdfunding gestartet. So konnten wir zumindest ein Mindestbudget für die Reise-, Unterkunfts- und Verpflegungskosten unseres Teams aufbringen. Gedreht wurde in Tübingen, Ellas Heimatstadt. Dort konnten wir auf ein großes Netzwerk an Unterstützer*innen zählen, die uns auf vielfältige Weise geholfen haben. Überhaupt haben wir Tübingen als außergewöhnlich gastfreundlich und offen gegenüber unserem Filmprojekt erlebt, sicherlich auch, weil dort vergleichsweise selten Dreharbeiten stattfinden. Während des Drehs und in der Postproduktion hatten wir dann professionelle Unterstützung von der Postproduktionsfirma Bewegte Bilder in Tübingen, sowie für das Colourgrading von Oasys Postproduction in München. Das war ein großes Glück!
Durch das begrenzte Budget haben Sie kreative Wege gesucht, um Ihren Stoff zu erzählen. Wie sind Sie bei den Überlegungen dazu vorgegangen?
Die ersten Überlegungen begannen mit der Entscheidung, die Handlung des Films in Tübingen anzusiedeln. Uns war bewusst, dass Ellas familiäres und freundschaftliches Umfeld die Suche nach geeigneten Motiven sowie nach helfenden Händen erheblich erleichtern würde. Eine weitere Überlegung bestand darin die Schulszenen in einem dokumentarischen Setting zu drehen. Nur so war es möglich, einen wichtigen Strang des Films an nur drei Tagen mit vielen Figuren zu drehen. Um die dokumentarischen Elemente und fiktionalen Szenen im Film am Ende zusammenzubringen, hilft die einheitliche Bildsprache. Ähnlich verhält es sich mit dem Erzählstrang des Onkels: Hier haben wir bewusst mit Archivmaterial gearbeitet und daraus eine eigenständige Erzählebene entwickelt. Entscheidend war, bereits im Drehbuch alle Erzählstränge und ihre möglichen Verknüpfungen anzulegen. So konnten die unterschiedlichen Ebenen im Schnitt miteinander in Beziehung treten und sich gegenseitig ergänzen.