„Jeder Ort
kann für
den Film
erschlossen
werden“

Nach dem erfolgreichen Start im letzten Jahr ging es in die Fortsetzung: Der 2. Münchner Filmgipfel fand unter dem Titel „Outside the Box: Neue (Denk)Räume für Filmkultur“ im Rahmen des 41. DOK.fest München statt. Einer der wichtigsten Begriffe an dem Vormittag: „dritte Orte“.
Text von Dunja Bialas
5 Minuten Lesezeit
D

Die frühe Uhrzeit passte zu den Gipfelstürmern. Am Morgen nach der feierlichen Eröffnung des 41. DOK.fest München unter der neuen Leitung von Adele Kohout und Maya Reichert fand sich die Filmcommunity – nicht ganz ausgeschlafen, aber zahlreich – in der HFF München zum 2. Münchner Filmgipfel ein. Nach dem erfolgreichen Aufschlag im Jahr zuvor, der unter dem Titel „Kreativität vernetzen, Orte stärken und Filmkultur fördern“ stattgefunden hatte, lautete das Thema diesmal: „Outside the Box: Neue (Denk)Räume der Filmkultur“.

Wieder luden die Filmstadt München e.V. und ihr größtes Mitglied, das DOK.fest München, gemeinsam mit dem Filmfest München ein, um über die Zukunft der Filmkultur in der Landeshauptstadt nachzudenken. Namhafte Akteur*innen aus der kommunalen Film- und Kinoszene sprachen auf zwei Podien. Es ging um die Herausforderungen der Stadtkultur angesichts steigender Mieten und knapper werdender Räume. Hinter der allgemeinen Frage, wie neue Orte für die Filmkultur aussehen könnten, wurde auch ganz konkret die Zukunft der einstigen Kino-Metropole befragt.

Kulturreferent Marek Wiechers fasste in seinen Begrüßungsworten das Motto des Gipfels als Appell an die Stadt auf. „Auch die öffentliche Hand“ müsse Kultur „outside the box“ denken. Kino verstehe er als Ort der Unterhaltung und als demokratiefördernden Raum, „der uns die Möglichkeit bietet, viele unterschiedliche Stimmen zu hören und zu verstehen“.

Das von Barbara Schuster und Thomas Schultze von SPOT moderierte Panel

Ganz in diesem Sinne hielt Malve Lippmann, Mitbegründerin und künstlerische Leiterin des Berliner Sinema Transtopia, eine Keynote. Sie stellte ihr Kino als beispielhaften Ort des sozialen Austauschs und Diskursraum vor. Eine Kernfrage ist für sie: „Wie muss Kino sein, damit sich die Leute wohlfühlen?“

Die Menschen miteinander in den gedanklichen Austausch zu bringen, unabhängig vom Ort des Kinos, den Alexander Kluge einst etwas scherzhaft „Mekka“ genannt hatte – weil dort alle in dieselbe Richtung blicken –, öffnet ihn als demokratischen Gedankenraum, von dem Wiechers gesprochen hatte. Daher sei auch der Blick auf die Inhalte wichtig, so Lippmann: Wer erzählt die Geschichten und welche werden vernachlässigt? So könnten auch neue Zielgruppen erschlossen werden.

Nach der Keynote fand auf dem Podium ein erster „Deep Dive“ statt. Auf dem langen Sofa nahmen hochkarätige Vertreter*innen der Münchner Kulturgesellschaft Platz: Markus Speidel, als Direktor des Stadtmuseums für das Filmmuseum München zuständig; Tobias Bartelmus, für den Spielbetrieb des Gasteigs verantwortlich; sowie Marina May, Programmdirektorin der Münchner Volkshochschule (VHS).

Kulturreferent Marek Wiechers begrüßte die Gäste

Mit den Institutionen Stadtmuseum und Gasteig waren zwei neuralgische Punkte der städtischen Kulturentwicklung vertreten. Für die Umbaumaßnahmen des Stadtmuseums muss das Filmmuseum München ab Juni 2027 ebenfalls schließen. Ob der Spielbetrieb an einem anderen Ort fortgesetzt wird, ist derzeit noch offen. Man werde „ein Interimsprogramm anbieten, ich kann aber noch nicht sagen, wie es aussieht“, räumte Speidel ein. Er stellte in Aussicht, dass das Filmmuseum ab der Wiedereröffnung 2030 nicht nur als Kino zurückkäme, sondern auch andere Räume bespiele. „Das Filmmuseum muss als integrativer Bestandteil des Stadtmuseums sichtbarer werden“, betonte er.

Der Gasteig steht vor ähnlichen Problemen. Obwohl das Kulturzentrum in Haidhausen seit fast fünf Jahren geschlossen ist, wird erst jetzt mit der Generalsanierung begonnen. Eine Neueröffnung soll erst zum Jahreswechsel 2034/35 kommen. Nach der erfolgreichen Gasteig-Sanierung sei aber standardmäßig Kinotechnik im Carl-Amery-Saal, im Carl-Orff-Saal und sogar in der Philharmonie zu erwarten, versprach Bartelmus. Bis dahin müsse man sich noch mit dem „Projektor“ im Sendlinger Interimsbau HP8 begnügen.

Die Veranstalter*innen und Panelisten (v.l.): Thomas Schultze und Barbara Schuster (Moderation), Tobias Bartelmus (Gasteig), Marina May (VHS), Malve Lippmann (Sinema Transtopia), Moni Haas (Filmstadt München), Patrik Thomas (CinéVéloCité), Maya Reichert (DOK.fest),  Marek Wiechers (Kulturreferent), Daniela Bergauer und Michael Hehl (Leopold Kinos), Adele Kohout (DOK.fest), Markus Speidel (Stadtmuseum), Christoph Gröner und Julia Weigl (Filmfest), Anna Kleeblatt (Kulturmanagerin)

Marina May sieht in der Filmvermittlung eine zentrale Aufgabe der VHS. Die Zusammenarbeit mit dem DOK.fest und dem Filmfest München sei eine gute Schnittstelle. Auch die Münchner VHS sei ein sozialer Raum, an dem die Menschen zusammenkommen, betonte May; das Stichwort der Stunde sei „digital detox“: „Die Leute wollen wirklich zusammenfinden“, entsprechend groß sei die Bedeutung des „Community Building“. Und doch sei es schwierig, technisch geeignete und bezahlbare Abspielräume zu finden.

Nach den Institutionen kamen die Kino-Akteure auf das Podium. Die Betreiber des ABC- und Leopold-Kinos, Daniela Bergauer und Michael Hehl, boten ihre Räume prompt der VHS an. Patrik Thomas stellte sein mobiles Fahrradkino „Ciné Vélo Cité“ vor, mit dem er im Stadtraum Filme im Pop-up-Format zeigt.

Die Kulturmanagerin Anna Kleeblatt erläuterte abschließend das Konzept des „dritten Ortes“. Der erste Ort ist das Zuhause, der zweite der Arbeitsplatz, der dritte der für alle offene Ort der Begegnung. Sie ist überzeugt, dass jeder Ort für den Film erschlossen werden könne. Kulturinstitutionen, die sich nicht öffnen, werden es in Zukunft schwer haben, Fördergelder zu bekommen, prophezeite sie. „Wir diskutieren in der Kultur viel darüber, dass wir Diskursräume bieten. Aber seien wir ehrlich: Wir diskutieren sehr viel mit uns allein.“

Malve Lippmann (Sinema Transtopia)

Die Diskussion kam diesmal – dem Format der Podien geschuldet – erst mit den Fragen des Publikums auf. Arne Ackermann, Leiter der Münchner Stadtbibliothek, meldete sich. Ganzjährig würden unter seinem Dach die Veranstaltungen der Filmstadt München stattfinden; sie seien deshalb als „zweites kommunales Kino“ zu betrachten. Eine Stadtbibliothek sei außerdem klassischerweise ein „dritter Ort“, der allen Bevölkerungsgruppen offenstehe. Das dürfe nicht in Vergessenheit geraten. Claudia Engelhardt, stellvertretende Leiterin des Filmmuseums, meinte: „Auch wenn wir buchstäblich raus müssen aus der Black Box“, dürfe man Filme nicht einfach auf einer weißen Wand zeigen. „Die Qualität muss bleiben.“

Die zweistündige Veranstaltung verdeutlichte den großen Rede- und Diskussionsbedarf der Film- und Kinoschaffenden der Stadt. Die Stimmungslage blieb trotz der ungewissen Kino-Zukunft optimistisch: Wenn schon keine neuen Räume gefunden werden können, so hat sich doch der Münchner Filmgipfel zum zweiten Mal als neuer Denkraum für die Filmkultur bewiesen.

Herausgeber: FilmFernsehFonds Bayern GmbH – Presse und Information
Text: Dunja Bialas
Redaktion: Olga Havenetidis
Gestaltung und digitales Storytelling: Schmid/Widmaier

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Wie die
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spiegelt

Medien-
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Bayern
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Auszeichnungen, Fachveranstaltungen, Dreharbeiten, Premieren von Mai bis Juli – der Rückblick in Bildern
10 Minuten Lesezeit
© Instagram Markus Söder

Besuch am Set von „Left Seat“

Hollywood-Besuch in Bayern: Im Frühjahr standen Richard Gere und Michelle Rodriguez für Left Seat vor der Kamera. Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder besuchte das Set in Warngau und traf dort die beiden Hauptdarsteller*innen. Der FFF-geförderte Actionthriller handelt von einer Frau, die unerwartet das Steuer übernehmen muss, als der Kapitän ohnmächtig wird, und dabei über Funk Hilfe von einem erfahrenen Piloten erhält. Regie führt Ben Younger, der selbst im Cockpit zu Hause ist. Left Seat entsteht als deutsch-amerikanische Koproduktion der augenschein Filmproduktion mit A/Vantage Pictures und Mandalay Pictures. Die Produktionsdienstleistungen wurden von der Bavaria Fiction verantwortet. Als deutscher Verleihpartner ist PLAION PICTURES an Bord, den Weltvertrieb übernimmt ANTON, WME korepräsentiert die USA.

© Gisela Schober und Flo Huber

Creators
Conference I:
Panel über
KI und Förderung

Mit über 400 Gästen, mehr als 40 renommierten Speaker*innen aus Branche, Kultur, Medien und Politik sowie 15 Panels zu zentralen Zukunftsthemen der Filmwirtschaft setzte die FFF-geförderte Creators Conference am 26. Juni erneut ein starkes Zeichen zum Auftakt des Filmfests München. Im Mittelpunkt standen produzentische Trends, Künstliche Intelligenz, neue Finanzierungsmodelle und zukunftsfähige Formen der Zusammenarbeit.

Ein Panel widmete sich den Herausforderungen und Chancen KI-gestützter Filmproduktion. Unter der Moderation von Prof. Dr. Lisa Giehl (LEONINE Studios) diskutierten FFF Geschäftsführerin Dorothee Erpenstein und Stephanie Schettler-Köhler (Storybook Studios), wie sich Förderinstrumente an die Realität der technologischen Entwicklung anpassen können.

Einigkeit herrschte darüber, dass sich die Branche derzeit in einer Trial-and-Error-Phase befindet. Der Einsatz von KI eröffnet zwar neue kreative und produktionstechnische Möglichkeiten, erfordert aktuell aber vor allem umfangreiche Erprobung, zahlreiche Iterationsschleifen und den Aufbau von Know-how. Die hierfür entstehenden Kosten für Prototypen und Proof-of-Concepts sind in klassischen Projektkalkulationen bislang kaum berücksichtigt. Stephanie Schettler-Köhler sprach sich deshalb für eine eigene Prototypenförderung aus. Innovation entstehe nur dort, wo es möglich sei, neue Arbeitsweisen auszuprobieren. Dabei sollte man auch scheitern zu dürfen. Eine entsprechende Förderschiene sei in anderen Bereichen, etwa der Games-Förderung, bereits etabliert und könne als Vorbild dienen.

Dorothee Erpenstein betonte, dass der FFF Bayern die Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz im engen Austausch mit der Branche begleitet. KI biete großes Potenzial, Arbeitsprozesse zu erleichtern, werfe zugleich aber wichtige Fragen zu Urheberrecht, Transparenz, fairen Arbeitsbedingungen sowie zur Bedeutung menschlicher Kreativität und Leistung auf. Ziel müsse es sein, technologische Innovation zu ermöglichen, ohne kreative und rechtliche Standards aus dem Blick zu verlieren. Daraus leite sich auch die Aufgabe der Förderung ab: Räume für Erprobung zu schaffen und Innovation zu ermöglichen mit dem klaren Anspruch, dass KI der kreativen Arbeit dient und die Wertschöpfung beim Menschen bleibt.

Ein weiterer Aspekt der Diskussion war der wachsende Bedarf an KI-Kompetenz in der Filmproduktion. Analog zu etablierten Green Consultants könnten künftig spezialisierte KI-Consultants Produktionen bei der Einführung neuer Technologien begleiten. Dafür müssten jedoch auch Aus- und Weiterbildungsangebote entsprechend angepasst werden.

© Gisela Schober und Flo Huber

Creators Conference II:
Daniel Kehlmann
über KI

Ein weiteres Gespräch zum Thema KI bei der FFF-geförderten Creators Conference war dasjenige zwischen Daniel Kehlmann und Yasmine M’Barek. Dabei wies der Schriftsteller darauf hin, dass es lange als Gewissheit schien, dass Roboter mehr und mehr körperliche Arbeit übernehmen werden, der Geist aber die Domäne des Menschen bliebe. „Seltsamerweise kehrt sich das gerade um“. Er schilderte, wie er die KI verwendet und wo sie seiner Erfahrung nach verstärkt eingesetzt wird – weniger im kreativen Bereich.

©Philip Nuernberger

Acht Lolas für Bayern

Ende Mai fand die Verleihung des Deutschen Filmpreises 2026 statt, nach drei Jahren am Marlene-Dietrich-Platz wieder am Palais am Funkturm. Acht Lolas gingen nach Bayern, darunter die Silberne Lola für den besten Film an Gelbe Briefe (if… Production), der bereits im Februar mit dem Goldenen Bären der Berlinale geehrt wurde. Die Silberne Lola ging an Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (Komplizen Film, Regie: Simon Verhoeven). An die Joachim Meyerhoff-Verfilmungen gingen auch die Filmpreise an die beste Hauptdarstellerin Senta Berger und den besten Nebendarsteller Michael Wittenborn. Zum elften Mal in Folge gewann ein FFF-geförderter Film die Lola für den besuchsstärksten Film, das war dieses Mal Das Kanu des Manitu von Michael Bully Herbig (HerbXFilm). Auf dem Foto: Das Team von Ach, diese Lücke… mit FFF Geschäftsführerin Dorothee Erpenstein im Palais am Funkturm.

©FFF Bayern Thorsten Suckow

Auf der Höhe

Die beliebte FFF Gameswanderung führte im Mai an den Starnberger See. Seit 2010 bietet der FFF Bayern dieses besondere Networking-Format an und schafft damit Raum für den branchenübergreifenden Dialog zwischen Games, Politik und Förderung. Gemeinsam mit mehr als 60 Studio-Gründer*innen, Unternehmer*innen sowie Vertreter*innen aus der Filmbranche, dem bayerischen Digitalministerium, der LfA Förderbank Bayern sowie von bayerischen Hochschulen wanderte die Gruppe zur Ilkahöhe. Dabei standen der persönliche Austausch, neue Impulse und die Vernetzung innerhalb der Branche im Mittelpunkt. Vom Regen ließen sich die Teilnehmer*innen nicht aufhalten und nutzten die Wanderung für intensive Gespräche und neue Begegnungen.

© Frederic Batier

„30 Bullets“ abgedreht

Die Dreharbeiten des FFF-geförderten Politthrillers 30 Bullets wurden Anfang Mai 2026 abgeschlossen. Regie führten Arash und Arman T. Riahi, die auch für das Drehbuch verantwortlich sind. In den Hauptrollen spielen Max Riemelt, Leonie Benesch & Hadi Khanjanpour. Für die Kamera zeichnet Judith Kaufmann verantwortlich. Der Film handelt von einem wortkargen Staatsanwalt, der nach einem brutalen Attentat in Berlin mit der Mordermittlung betraut wird. Was zunächst wie ein interner Konflikt zwischen rivalisierenden politischen Gruppierungen wirkt, entpuppt sich schnell als staatlich organisierter Terror. Denn schon bald erkennt der Ermittler, dass Teile der eigenen Regierung und Geheimdienste in eine groß angelegte Vertuschung verwickelt sind. Produziert wird 30 Bullets von btf Produktion mit Golden Girls, ZDF/arte, ORF und DCM. DCM wird den Film in die Kinos bringen. Auf dem Foto (v.l.):  Produzentin Judith Fülle, Solveig Cornelisen (ZDF), Judith Kaufmann, Hadi Khanjanpour, Leonie Benesch, Max Riemelt, Arash T. Riahi und Arman T. Riahi.

© Bayerisches Staatsministerium für Digitales

Let them Scheck!

Beim Bayerischen Digitalgipfel 2026 in Nürnberg stand neben den Themen digitale Transformation, Künstliche Intelligenz und digitale Souveränität auch die bayerische Gamesbranche im Fokus. Im Rahmen der Veranstaltung überreichten Vertreter des Studios PixelManiacs gemeinsam mit Spaceflower einen symbolischen Scheck an Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring. Hintergrund ist der wirtschaftliche Erfolg des FFF-geförderten Projekts Let them Trade: Nach dem erfolgreichen Marktstart zahlte das Studio die Fördermittel zurück und verdeutlicht den nachhaltigen Erfolg öffentlicher Gamesförderung.

© Sommerhaus Filmproduktion Constantin Film Distribution GmbH Luis Zeno Kuhn

Dreharbeiten von
„Die hellen Tage“

Ende Juni fiel die letzte Klappe für die FFF-geförderte Literaturverfilmung Die hellen Tage. Unter der Regie und nach einem Drehbuch von Maggie Peren entsteht ein Film über die Höhen und Tiefen in den Leben von drei Familien und die Freundschaft, die sie verbindet. Gedreht wurde in Estland und Bayern. Zum Schauspielensemble gehören Julia Jentsch, Karoline Herfurth, Natasha Petrovikj, Emilia Maier, Samirah Breuer, Ruben Meiller, Marko Cindric, Corinna Kirchhoff und Jakob Diehl. In die Rollen der Kinder schlüpfen Flavia Winderlich, Sofia Önder und Anton Landau. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Zsuzsa Bánk, erschienen im S. Fischer Verlag. Die hellen Tage ist eine Produktion von Sommerhaus Filmproduktion (Jochen Laube, Fabian Maubach und Sophie Cocco) und Constantin Film (Viola Jäger und David Kehrl, Executive Producer: Oliver Berben) in Koproduktion mit dem ZDF und ARTE und in Zusammenarbeit mit Bewegte Bilder. Service Produzent in Estland ist Nafta Films (Andreas Kask). Die Redaktion haben Alexandra Staib (ZDF) und Julius Windhorst (ZDF/ARTE) sowie Barbara Häbe (ARTE). Constantin Film plant den Kinostart für 2027.

© Bayerische Staatskanzlei

Bayerischer Verdienstorden für Brigitte Hobmaier und Oliver Berben

Anfang Juli zeichnete Ministerpräsident Dr. Markus Söder im Antiquarium der Münchner Residenz 68 Persönlichkeiten mit dem Bayerischen Verdienstorden aus. Der Bayerische Verdienstorden ist durch das Gesetz über den Bayerischen Verdienstorden vom 11. Juni 1957 geschaffen worden. Er wird „als Zeichen ehrender und dankbarer Anerkennung für hervorragende Verdienste um den Freistaat Bayern und das bayerische Volk“ verliehen. Eine Besonderheit des Bayerischen Verdienstordens ist, dass die Zahl der lebenden Ordensträger auf 2.000 begrenzt ist. In diesem Jahr wurden in der Kategorie Kunst, Kultur & Unterhaltung unter anderem Poduzent Oliver Berben, SZ-Kulturjournalistin Susanne Hermanski sowie Schauspielerin Brigitte Hobmeier ausgezeichnet.

© Sophia Küstenmacher

Dreharbeiten von
„Men We Love“

Paul erkennt, dass er Männer liebt, und sein Sohn Toni beschließt, nicht mehr zur Schule zu gehen. Von der Orientierungslosigkeit beider genervt, lässt die Mutter sie allein, damit sie einen neuen Weg zueinander finden. In München fiel Ende Juni die erste Klappe zu Men We Love, dem Drama von HFF München-Absolvent Emil Klattenhoff. Er inszeniert nach einem gemeinsamen Drehbuch mit Autorin Tünde Sautier. Neben dem jungen Schauspieler Leonard Maschkowski stehen Fabian Stumm, Lavinia Wilson und Andreas Döhler vor der Kamera. Die Bildgestaltung übernehmen Paula Tschira und Jonas Kleinalstede. Produzent*innen sind Katharina Hein, Paul Beck und Marius Beck, Producer ist Jakob Wahl (Apollonia Film). Gedreht wurde bis Ende Juli in München. Apollonia Film produziert den Film in Ko-Produktion mit dem Bayerischen Rundfunk, die Redaktion liegt bei Natalie Lambsdorff. Men we Love ist Gewinner des PHAROS-Awards und wird mit Filmtechnik von Kameraverleih Ludwig und in der Postproduktion von Pharos unterstützt. Auf dem Foto (v.l.): Natalie Lambsdorff, Theodor Fusban, Paula Tschira, Jonas Kleinalstede, Tünde Sautier, hinten: Emil Kattenhoff, Fabian Stumm, vorne: Leonard Maschkowski, Lavinia Wilson, Andreas Döhler, Monika Wöhrl, Christine Haupt, Katharina Hein, hinten: Michael Welzel, Jakob Wahl.

© FSFF

Starnberg: Kino Open Air und 20. Fünf Seen Film Festival

Bayern hat nicht nur einen der schönsten Seen überhaupt, sondern auch ein Open Air Kino an ebendiesem: Wie jeden Sommer bietet das Fünf Seen Film Festival auch in diesem Jahr ein Angebot für große Leinwanderlebnisse vor der Seekulisse im Seebad Starnberg an. Auf dem Programm stehen Extrawurst, Der Teufel trägt Prada 2, Ein Münchner im Himmel, Sentimental Value, Vaterland und weitere tolle Filme an – bis zum schönen Finale mit Steckerlfischfiasko am 20. August. Beim Pressegespräch waren (v.l.): Lydia Basu, Veronika Osterauer, Janina Rohleder, David Mindermann, Lara Schimpf, Dominik Petzold, Diana Dickmann, Martin Baranowski, Katharina Neuner, Nancy Dlusztus (alle Team FSFF und Open Air Kino Starnberg), außerdem (sitzend): Tom Dauer (Regisseur Nanga Parbat – Echoes of Sisyphus), Festivalleiter Matthias Helwig. Das Kino Open Air Starnberg läutet 2026 in die 20. Jubiläumsausgabe des Fünf Seen Film Festivals ein. Der Hannelore Elsner Preis geht an Luna Wedler, Ehrengast ist Christian Petzold.

© Cine Global

Premiere von
„To my Sisters“

Im Juli fand die Premiere von Faek Falaks FFF-gefördertem Dokumentarfilm To my Sisters im Rio Kino in München statt. Es geht um drei Frauen unter dem IS-Regime in Syrien. Der Film läuft aktuell im Verleih von Cine Global in den deutschen Kinos. Bei der Premiere in München waren (v.l.): Mario Hubert, Julia Brumm, Sepan Ajo, Faek Falak, Christine Haupt, Daniel Ludwig und Kristina Bogen.

© HFF München / Jani Sellmann

"Das Begehren der Anderen"

Seit etlichen Jahren beraten Johanna Faltinat und Letícia Milano mit ihrem „Büro für vielfältiges Erzählen“ die Filmbranche zum Thema Diversität. Nun haben sie ein Praxishandbuch bei Springer veröffentlicht, dieses trägt den schönen Titel Das Begehren der Anderen. Es stellt machtkritisch ein dramaturgisches Modell zur Figurenentwicklung und gerechtere Narrative jenseits reiner Repräsentations-Klischees in Film und Fernsehen vor. In der HFF München haben die beiden Autor*innen unter der Moderation von FFF Förderreferentin Silvia Tiedtke über ihr Buch und ihren dramaturgischen Ansatz gesprochen.

© Thomas Wachinger

Großer Erfolg in Oberaudorf

Die 19. Musikfilmtage Oberaudorf im Juli haben erneut das Publikum begeistert. Bei hochsommerlichen Temperaturen kamen mehr als 3.000 Gäste in die rund 5.000 Einwohner zählende Inntal-Gemeinde. Sowohl die Kinovorführungen als auch die abendlichen Open-Air-Screenings im Kurpark waren gut besucht. Das Stummfilmkonzert im Rahmen der Tiroler Festspiele in Erl fand vor einem nahezu ausverkauften Konzertsaal mit 700 Plätzen statt. Zum Festivalprogramm gehörten auch Gespräche mit Filmemacher*innen, die ihre Produktionen persönlich vorstellten. Auf großes Interesse stieß zudem der traditionelle Frühschoppen im Gasthaus Waller, bei dem Regisseurin und Autorin Margarethe von Trotta und der langjährige Berlinale-Leiter Dieter Kosslick mit dem Publikum ins Gespräch kamen. Der Publikumspreis, der mit einer Produktionshilfe in Höhe von 5.000 Euro verbunden ist und von Pharos – The Post Group gestiftet wird, ging in diesem Jahr an The Piano Tuner von Daniel Roher. Und nächstes Jahr dann die 20. Ausgabe der Musikfilmtage Oberaudorf!

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„Aufbruch, keine Nostalgie­verwaltung“

„Aufbruch,
keine
Nostalgie-
verwaltung“

30 Jahre FFF Bayern, 30 Jahre Crew United, 40 Jahre Breitwand Kino, 20 Jahre Fünf Seen Film Festival – das sind noch nicht alle Jubiläen in diesem Jahr. 60 Jahre Hofer Filmtage! Ein Gespräch mit Direktor Thorsten Schaumann und der Trägerverein-Vorsitzenden Ana Radica über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des legendären Filmfestivals.
Interview von Christina Raftery
10 Minuten Lesezeit
© Hofer Filmtage
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Wer wissen möchte, was die Hofer Filmtage so besonders macht, sollte vielleicht nicht zuerst ins Kino gehen. Vielleicht sollte man sich einfach an die legendäre Bratwurstbude stellen. Früher oder später laufen dort fast alle vorbei: Nachwuchsregisseurinnen, Oscarpreisträger, Produzentinnen, Filmstudenten, Branchenveteranen – und natürlich die Hofer selbst. Man grüßt sich, kommt ins Gespräch, erzählt Geschichten. Oft dieselben wie vor Jahrzehnten. Und doch immer wieder neue.

Dieses Jahr feiert dieses Phänomen Jubiläum: Seit 60 Jahren ist Hof ein Ort, an dem Filmgeschichte geschrieben wird, ohne dass dabei jemals viel Aufhebens darum gemacht worden wäre. Hier trafen sich schon lange vor dem Begriff „Networking“ Menschen, die Kino lieben. Hier wurden Karrieren angestoßen, Freundschaften geschlossen und Anekdoten gesammelt, die mittlerweile ganze Bücher füllen könnten. Und während sich die Filmwelt in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach neu erfunden hat, ist eines erstaunlich konstant geblieben: das Gefühl, in Hof Teil von etwas Besonderem zu sein.

Zum 60. Jubiläum blicken Festivalleiter Thorsten Schaumann und Ana Radica, Vorsitzende des Trägervereins, auf bewegte Jahre zwischen Verlust und Erneuerung, dazu auf geradezu „himmlische“ Momente. Sie erzählen von Heinz Badewitz’ Vermächtnis, von Krisen, die das Festival stärker gemacht haben, von mutigen Veränderungen – und von der Frage, wie man eine Institution in die Zukunft führt, ohne ihre Seele zu verlieren.

© Hofer Filmtage

Thorsten Schaumann und Ana Radica 

Die Internationalen Hofer Filmtage feiern in diesem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen. Wie fühlt sich dieses Jubiläum an?

Ana Radica: Es fühlt sich noch nicht nach Ausnahmezustand an, aber die Spannung steigt, da es ja ein besonderes Jahr ist. Viele Projekte müssen deutlich früher geplant werden als sonst. Wir arbeiten an der Umsetzung von Ideen, die das Festival begleiten sollen. Die Stadt Hof bereitet eine Filmplakatausstellung vor, die Diakonie zeigt eine Ausstellung zur Geschichte der Hofer Filmtage, und gemeinsam mit dem Theater Hof realisieren wir eine Ausstellung rund um „Das Theater im Sucher“, Thomas Ladenburgers Dokumentarfilm über die Theaterfotografin Ruth Walz.

 

60 Jahre sind für ein Filmfestival eine bemerkenswerte Wegmarke. Was macht Hof aus Ihrer Sicht so besonders?

Ana Radica:
Hof ist nicht als großes kulturpolitisches Projekt entstanden. Das Festival ist von Filmschaffenden gegründet worden und von innen heraus gewachsen. Es war kein Konstrukt nach dem Motto: Wir machen jetzt ein Filmfestival. Es hat sich entwickelt – aus Leidenschaft, aus Freundschaften, aus der Begeisterung für den Film. Diese Bewegung spürt man bis heute.

Thorsten Schaumann: Die Biografie so vieler Menschen ist eng mit Hof verbunden. Das sind sowohl  Filmschaffende, Gäste als auch Hofer*innen. Wenn sie über die Hofer Filmtage angesprochen werden,  kommen sofort unzählige Erinnerungen, Begegnungen und Anekdoten. Das zeigt, wie tief das Festival bei vielen Menschen verankert ist und überträgt sich jetzt auf die nächste Generation. So bleibt die Geschichte Hofs hoffentlich unendlich.

 

Hat sich die Organisation des Festivals in den vergangenen Jahren verändert?

Ana Radica:
Absolut. Die vergangenen Jahre waren für uns alle eine große Lernphase. Wir hatten den Verlust von Heinz Badewitz, anschließend den Übergang in eine neue Struktur und kurz darauf die Pandemie. Das waren Herausforderungen, die uns gezwungen haben, viele Prozesse neu zu denken.

 

Festivalgründer Heinz Badewitz starb überraschend 2016, im Jahr des 50. Jubiläums. War damals überhaupt klar, dass es weitergehen würde?

Ana Radica:
Nein. Die erste Reaktion war Schock. Heinz hatte das Festival über Jahrzehnte geprägt und verkörpert. Viele von uns fragten sich damals, ob Hof ohne ihn überhaupt weiterbestehen kann. Gleichzeitig war das Jubiläumsfestival bereits in Vorbereitung. Die Förderungen standen, die Planungen liefen. Also haben wir uns als Kernteam zusammengesetzt und gesagt: Wir machen das jetzt, die 50. Hofer Filmtage müssen stattfinden, für Heinz. Jeder übernahm die Aufgaben, die er kannte und beherrschte. Es ging zunächst gar nicht darum, die Zukunft zu planen. Es ging darum, dieses Jubiläum möglich zu machen.

© Hofer Filmtage

Heinz Badewitz mit Doris Dörrie im Jahr 1986

Wie erinnern Sie sich an dieses Festivaljahr?

Ana Radica:
Es war die emotionalste Ausgabe, die ich je erlebt habe. Da war Trauer, aber gleichzeitig große Freude darüber, dass das Festival stattfinden konnte. Viele langjährige Wegbegleiter kamen zu Ehren von Heinz nach Hof. So entstand eine ganz besondere Atmosphäre zwischen Abschied und Aufbruch.

 

Thorsten Schaumann, Sie waren damals Teil des Teams, das die Filmauswahl verantwortete. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Thorsten Schaumann: Auch für mich war das eine sehr besondere Situation. Ich habe Heinz schon als Praktikant im Weltvertrieb Ende der 90er kennengelernt. Wir waren von Anfang an immer im Austausch über Filme. Als Teil des Übergangs-Programmteams mit Linda Söffker und Alfred Holighaus war es so etwas wie ein Homecoming. Als mich die Anfrage erreichte, internationale Filme für Hof zu kuratieren, war das eine große Ehre – und ein wenig seltsam. Ich erinnere mich noch genau daran, dass beim Anruf auf meinem Handy „Heinz Badewitz“ angezeigt wurde, weil ich seine Nummer gespeichert hatte. Für einen Moment war ich völlig irritiert. Natürlich rief jemand aus dem Team an, aber dieser geradezu ‚himmlische‘ Augenblick ist mir bis heute präsent.

 

Sie sprechen oft von Gemeinschaft. Was unterscheidet Hof von
anderen Festivals?

Thorsten Schaumann: Hof fühlt sich manchmal ein bisschen wie ein gallisches Dorf an. Alle kennen sich irgendwie, es gibt Rituale, gewachsene Freundschaften und eine große Offenheit für alle, die neu dazu kommen und genauso Film lieben. Die Stadt liegt nicht auf dem direkten Weg zwischen den Metropolen. Wer nach Hof kommt, kommt bewusst. Dadurch liegt der Fokus fast automatisch auf den Menschen und den Filmen.

Ana Radica: Dazu kommt die besondere Nähe zwischen Publikum und Filmschaffenden. Viele Besucherinnen und Besucher begleiten das Festival seit Jahrzehnten. Sie haben die Karrieren von Regisseurinnen und Regisseuren von Anfang an verfolgt. Das merkt man in den Gesprächen und an den Reaktionen nach den Vorführungen.

 

Nach dem Tod von Heinz Badewitz begann auch ein Generationenwechsel. Wie war dieser Prozess?

Ana Radica: Nicht so einfach, wie es vielleicht nach außen hin schien. Über Jahrzehnte war das Festival stark auf Heinz zugeschnitten. Viele Abläufe funktionierten, weil alle fast instinktiv wussten, was zu tun war. Plötzlich mussten wir neue Strukturen schaffen.
Thorsten Schaumann: Natürlich gab es Reibungen. Das wäre bei einem solchen Übergang auch ungewöhnlich gewesen, wenn es keine gegeben hätte. Aber alle hatten dasselbe Ziel: Hof soll weitergehen. Gleichzeitig mussten wir akzeptieren, dass sich die Filmbranche und die Festivallandschaft verändert haben.

© Hofer Filmtage

Christoph Schlingensief mit Heinz Badewitz im Jahr 1997

Wie gelingt der Spagat zwischen Tradition und Erneuerung?

Thorsten Schaumann: Indem man versteht, dass Tradition allein nicht genügt. Es gibt Kontinuitäten, die unglaublich wichtig sind. Aber gleichzeitig braucht es den Willen zum Wandel. Ich sage immer: Wir betreiben keine Nostalgieverwaltung. Wir machen ein Filmfestival. Wenn sich die Rahmenbedingungen verändern, müssen wir Lösungen finden und gleichzeitig proaktiv gestalten. Das gilt für technische Entwicklungen genauso wie für Spielstätten oder Publikumsgewohnheiten.

 

Gab es dafür einen Schlüsselmoment?

Thorsten Schaumann:
Der Wegfall des fast 100-jährigen Scala-Kinos in Hof war so ein Moment. Natürlich blutet einem da das Herz. Schließlich war es eines der schönsten Lichtspielhäuser Deutschlands. Aber wir konnten nicht einfach sagen: Schade, dann geht es eben nicht weiter. Innerhalb kürzester Zeit mussten wir Ersatz schaffen, denn die Filme waren bereits eingeladen, das Programm stand. Also haben wir gemeinsam mit der Stadt, dem Team und vielen Hoferinnen und Hofern nach Lösungen gesucht. Uns riefen Menschen an und sagten: Schaut euch doch dieses leerstehende Gebäude an. Weitere boten Unterstützung an. Innerhalb weniger Tage hatten wir neue Optionen auf dem Tisch – von einer Tanzschule über leerstehende Geschäftsräume bis zur Turnhalle.

 

Das klingt nach außergewöhnlicher Verbundenheit.

Thorsten Schaumann: Die ist tatsächlich außergewöhnlich. Wenn es darauf ankommt, ziehen in Hof so gut wie alle an einem Strang. Das haben wir nicht nur beim Scala-Kino erlebt.


Sondern auch während der Pandemie?


Thorsten Schaumann:
Absolut. Als Corona kam, haben viele gefragt, ob ein Festival überhaupt stattfinden kann. Für uns war die Frage eher: Wie kann es stattfinden? Nichts zu machen war keine Lösung. Also haben wir digitale Ticketing-Systeme aufgebaut, Gespräche gestreamt und neue Formate entwickelt, bei denen sich das Publikum online beteiligen konnte, ohne vor Ort zu sein.

 

Sind diese Entwicklungen geblieben?

Thorsten Schaumann:
Ja. Das Herzstück bleibt die Begegnung im Kino. Aber wir haben gelernt, dass digitale Angebote das Festival sinnvoll ergänzen. Heute streamen wir Talks, produzieren Podcasts, begleiten Filme über Social Media, bieten viele Filme eine Woche länger an und versuchen, die Sichtbarkeit der Filmschaffenden unterjährig zu stärken. Das sind beispielsweise Filmreihen wie das HoF Filmtage Rendezvous in verschiedenen Städten, Moderationsbegleitungen und viel mehr – quasi „Filmtage all year long“.

© Hofer Filmtage

Thorsten Schaumann und Ana Radica mit Donya Madani beim FFF Empfang in Hof 2022

Wie verändert sich dadurch das Publikum?

Ana Radica: Ein Publikum ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Deshalb versuchen wir aktiv, neue Zielgruppen anzusprechen – etwa mit Schulvorstellungen oder ganzjährigen Veranstaltungsreihen.

Thorsten Schaumann: Die Menschen müssen heute oft erst wieder entdecken, wie besonders das gemeinsame Kinoerlebnis sein kann. Und ein Publikum ist heute auf vielen Kanälen unterwegs. Und da gehen wir natürlich auch hin. Das ist unser Angebot. Wenn junge Besucherinnen und Besucher dann erst einmal Festivalatmosphäre erlebt haben, sind die so gut wie alle sofort begeistert.

 

Welche Rolle spielt dabei das Publikum?

Thorsten Schaumann: Eine ganz zentrale. Das Hofer Publikum hat über Jahrzehnte hinweg eine enorme Filmkompetenz entwickelt. Junge Regisseurinnen und Regisseure sind oft überrascht, wie differenziert die Fragen und Diskussionen nach den Vorführungen ausfallen.
Ana Radica: Die Menschen hier sind mit dem Festival gewachsen. Sie haben die Karrieren vieler bedeutender Filmschaffender von Anfang an begleitet und bringen diese Erfahrung in die Gespräche ein.

 

Welche neuen Akzente kommen im Jubiläumsjahr hinzu?

Ana Radica: Viel dreht sich bei aller Improvisation um Langfristigkeit. Wir haben dafür inzwischen eigene Kompetenzen im Team aufgebaut. Ein Beispiel ist, dass wir in diesem Jahr erstmals einen Nachhaltigkeitspreis, den Planet Rebels Award, vergeben. Dabei geht es nicht nur um ökologische Produktionsweisen, sondern auch um Filme, die sich inhaltlich mit Zukunftsfragen beschäftigen.

Thorsten Schaumann:
Nachhaltigkeit bedeutet für uns, in die Zukunft denken: Wie schaffen wir Strukturen, die das Festival für kommende Generationen relevant halten?

© Hofer Filmtage

1993: Tom Tykwer

Wenn man Ihnen zuhört, entsteht der Eindruck, dass Hof mehr ist als ein Filmfestival.

Ana Radica: Vielleicht ist das tatsächlich so. Die Filmtage gehören bei vielen zur DNA. Viele Menschen in Hof nehmen sogar Urlaub, um während der Filmtage mitzuarbeiten. Andere kommen seit Jahrzehnten als Gäste zurück. Manche waren als Studierende zum ersten Mal hier und gehören heute fest zum Festival.

Thorsten Schaumann: Die Hof-Familie wächst. So entsteht ein Netzwerk über Generationen. Aber vor allem ist es ein Ort der Begegnung. Man läuft durch die Stadt und trifft Menschen aus aller Welt. Nachwuchsregisseur*innen, Produzent*innen, internationale Gäste, Publikum. Gespräche entstehen spontan. Freundschaften entstehen spontan. Oft auch neue Filme.

 

Was wünschen Sie sich für die nächsten zehn Jahre Hofer Filmtage?

Ana Radica:
Dass Hof neugierig und uns die Unterstützung auf so vielen Ebenen bleibt.


Thorsten Schaumann:
Und dass wir weiterhin diesen Spagat schaffen: die Geschichte zu bewahren und gleichzeitig offen für Neues sind. Hof hat eine starke Vergangenheit. Aber Hof ist immer auch Gegenwart und Zukunft. Am Ende geht es um Geschichten und um die Menschen, die sie erzählen. Unsere Aufgabe ist es, dafür den richtigen Raum zu schaffen.

 

Und das ist vielleicht das eigentliche Geheimnis der Hofer Filmtage?

Thorsten Schaumann:
Vielleicht. Filme sind der Anfang. Die Begegnungen sind das, was bleibt.

Herausgeber: FilmFernsehFonds Bayern GmbH – Presse und Information
Text: Christina Raftery
Redaktion: Olga Havenetidis

Gestaltung und digitales Storytelling: Schmid/Widmaier

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„Jeder Ort kann für den Film erschlossen werden“

AKTUELLE
STARTS

FFF-geförderter Projekte

Steckerlfisch­fiasko

Antragsteller
Constantin Film

Drehbuch
Ed Herzog, Stefan Betz

Regie
Ed Herzog

Verleih
Constantin Film

 

Kinostart
13. August 2026

© Alma Cinema, Schuldenberg Films

Strange River

Antragsteller
Schuldenberg Films

Drehbuch
Meritxell Colell

Regie
Jaume Claret Muxart

Verleih
Salzgeber & Co.

 

Kinostart
27. August 2026

© Studio 100 International GmbH 2026

Arnie & Barney – retten das Wasser

Family Entertainment

Antragsteller
Studio 100 International

Drehbuch
Fin Edquist

Regie
Sean Heuston

Verleih
Port au Prince

 

Kinostart
3. September 2026

@ Constantin Film Distribution GmbH – Jürgen Olczyk

Das gewisse Etwas

Komödie

Produktion
Constantin Film

Drehbuch
Murmel Clausen

Regie
Marc Rothemund

Verleih
Constantin Film

 

Kinostart
3. September 2026

© W-Film Distribution

Wer weiß schon,
was ein Leben ist

Doku-Fiktion

Antragsteller
Kinescope Film

Drehbuch und Regie
Annelie Boroș, Vera Brückner

Verleih
W-Film

 

Kinostart
3. September 2026

© Film AG Frédéric Batier

Gentle Monster

Drama

Antragsteller
Komplizen Film

Drehbuch und Regie
Marie Kreutzer

Verleih
Alamode Film

 

Kinostart
17. September 2026

© 2026 Wiedemann & Berg Film – Kiddinx Studios
EPO Film – LEONINE Licensing – Kurt-Patzak

Bibi Blocksberg
– Die total verhexte Zeitreise

Family Entertainment

Antragsteller
Wiedemann und Berg Film

Drehbuch
Bettina Börgerding

Regie
Gregor Schnitzler

Verleih
Leonine Studios

 

Kinostart
24. September 2026

© UFA Fiction, Warner

Emil und die Detektive

(FFF Erfolgsdarlehen)

Literaturverfilmung

Antragsteller
UFA Fiction

Drehbuch
Antonia Scheurlen

Regie
David Dietl

Verleih
Warner

 

Kinostart
24. September 2026

© Zeitsprung Pictures, Mathias Bothor

Frau Winkler
verlässt das Haus

Drama

Antragsteller
Zeitsprung Pictures

Drehbuch und Regie
Doris Dörrie

Verleih
Wild Bunch Germany

 

Kinostart
24. September 2026

© LEONINE Studios – PHILIPP HABERLANDT

Corpus Delicti

Literaturverfilmung

Antragsteller
Wiedemann und Berg Film

Drehbuch und Regie
Lena Stahl

Verleih
Leonine Film

 

Kinostart
1. Oktober 2026

Lügen über meine Mutter

Literaturverfilmung

Antragsteller
Tobis Filmproduktion

Drehbuch
Rosalie Thomass

Regie
Aron Lehmann

 

Kinostart
8. Oktober 2026

© Constantin Film Distribution GmbH – Christian Rein

Der perfekte Urlaub

Komödie

Antragsteller
Constantin Film

Drehbuch und Regie
Bora Dagtekin

Verleih
Constantin Film

 

Kinostart
22. Oktober 2026

© Trimafilm – Florian Strandl X-Verleih

Die andere Seite

Drama

Antragsteller
Trimafilm

Drehbuch und Regie
Mariko Minoguchi

Verleih
X Verleih

 

Kinostart
22. Oktober 2026

Materia Prima

Dokumentarfilm

Antragsteller
Mascha Film

Drehbuch und Regie
Jens Schanze

Verleih
Cine Global

 

Kinostart
22. Oktober 2026

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befreiende
Erfahrung“